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Kinder- und Jugendmedizin

  • Ärztin untersucht zwei Kinder mit Stethoskop- Immanuel Klinikum Bernau - Kinder- und Jugendmedizin

    Kinder- und Jugendmedizin

    Liebe Kinder, liebe Eltern und Angehörige,

    wir wissen, dass es zu Hause am schönsten ist, doch manchmal ist ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich. Wir möchten diesen für Euch und Sie so kurz wie nötig und so angenehm wie möglich gestalten. In unserer Abteilung für Kinderheilkunde kümmert sich ein Team von Ärzten und Kinderkrankenschwestern liebevoll und einfühlsam um die Jüngsten.

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An eurer Seite

Eine umfassende Kinder- und Jugendmedizin bedeutet für uns die kompetente und einfühlsame Betreuung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen – von Beginn an und in jeder Entwicklungsphase. 

Sarah Wegener: In Bernau ist unsere Pädiatrie tatsächlich nicht so bekannt, weil unser Haus heißt ja Immanuel Klinikum Bernau, Herzzentrum Brandenburg. Das ist aber nicht so, weil wir haben ja eine tolle Pädiatrie, wo auch Kinder jederzeit in die Rettungsstelle kommen können und bei uns hier stationär aufgenommen werden können und hier behandelt werden können. Ich bin Schwester Sarah und bin Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin hier im Immanuel Klinikum Bernau.

Dr. Barbara Korinth: Das Behandlungsspektrum in unserer Kinder- und Jugendmedizinischen Abteilung im Haus sind allgemein Kinderkrankheiten, Infektionskrankheiten, Durchfallerkrankungen, Bronchitis, Lungenentzündungen und verschiedene Babyerkrankungen, die also überwiegend im Babyalter vorkommen. Mit der Geburtshilfe haben wir eine ganz enge Zusammenarbeit. Wir sind auf einer Ebene und versorgen die Kinder ab der Geburt.

Nach der Entbindung werden die Kinderärzte gerufen und machen die Erstuntersuchungen. U1 ist sicher ein Begriff. Im weiteren Verlauf werden die Babys jeden Tag visitiert.

Wir schauen, ob die Babys zu gelb werden, ob sie nicht unterzuckert sind, ob sie keine Infektionszeichen haben, wie zum Beispiel eine Untertemperatur. Und wir machen am Abschluss des Aufenthaltes die U2 mit einer Hörprüfung und dem Stoffwechseltest. Mein Name ist Dr. Barbara Korinth. Ich bin die Chefärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin hier im Immanuel Klinikum Bernau. Zusätzlich habe ich die Qualifikation der Kinderkardiologie. Das heißt, ich kann auch Kinder mit Herzfehlern, Herzrhythmusstörungen und so weiter versorgen.

Olga: Ich bin die Olga und das ist die Maja. Ich habe die Kleine auch in Bernau bekommen, auch die Geburtsstation. Das Wichtigste war für mich die Nähe und auch das Gegenüber der Geburtsstation war auch die Kinderklinik.

Ich dachte, dass ich nicht die Kinderklinik brauchen werde, aber im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass Maja es gebraucht hat.

Sarah Wegener: Wir haben hier auch eine Erstversorgungseinheit, wo wir die Neugeborenen oder die Frühgeborenen oder die kranken Neugeborenen bei uns hier behandeln können. Wir betreuen die Kinder ab der 32. Schwangerschaftswoche und ab einem Geburtsgewicht von 1500 Gramm.

Isabel Nolting: Wenn Eltern mit kranken Kindern kommen und erstmal so eine aufgeregte Stimmung im Raum herrscht, ist es ganz wichtig, als Erstes Ruhe auszustrahlen. Und meistens werden die Kinder ja erstmal von der Pflege, dem Blutdruck gemessen, Temperatur gemessen und da komme ich dann schon mal ganz ruhig dazu, dass sie mich im Hintergrund sehen, kann vielleicht schon mal ein, zwei Worte mit den Eltern wechseln und dann ganz in Ruhe auf das Kind zugehen, um erstmal die Angst zu nehmen. Mein Name ist Isabel Nolting, ich bin Ärztin und bin hier im Immanuel Klinikum Bernau als Assistenzärztin für Kinder- und Jugendmedizin tätig.

Dr. Barbara Korinth: Das Positive, was bei uns in der Abteilung ist, dass wir die Kinderrettungsstelle auf unsere Ebene hochgeholt haben. Das heißt, die Patienten, die über die Rettungsstelle mit einem Notfall kommen, abends, in der Nacht, melden sich zwar in der Rettungsstelle, werden dann aber nach einer Triage auf die Kinderstation geschickt und dort kann sich das Pflegepersonal in erster Linie um die Kinder kümmern.

Sarah Wegener: Bei uns muss auch kein Kind alleine bleiben. Wir haben jederzeit die Möglichkeit, Familienzimmer einzurichten, wo entweder die Mama oder der Papa über Nacht mit hierbleiben können.

Sven Pagel: Mein Name ist Sven Pagel, ich war mit meiner Tochter hier im Immanuel-Klinikum Bernau in Kinder- und Jugendmedizin in Behandlung. Sie ist nun wieder genesen und wir gehen geheilt nach Hause. Hier im Klinikum habe ich jederzeit die Möglichkeit gehabt, jemanden anzusprechen, alle waren freundlich.

Man muss sich nicht davor scheuen, jemanden zu fragen, wenn man etwas braucht.

Dr. Barbara Korinth: Als Universitätsklinikum haben wir die Möglichkeit, hier auch eine Hochschulambulanz anzubieten. Wir haben eine Sprechstunde für Adipositas-Kinder, das heißt, so dicke Kinder bekommen hier zunächst einmal eine Beratung. Wir schauen umfassend, ob irgendwelche schweren Erkrankungen dahinter liegen und begleiten die Kinder und Jugendlichen.

Wir haben eine neuropädiatrische Sprechstunde, das heißt, neurologische Erkrankungen, ob das Epilepsien sind oder eine Spastik sind, die werden von unserem Neuropädiater versorgt. Wir haben eine Möglichkeit, sämtliche Ultraschall-Untersuchungen durchzuführen und wir haben eine Kinderherz-Untersuchungsmöglichkeit, das heißt, wir können EKGs machen, wir können den Sauerstoffwert messen, wir können Ultraschall vom Herzen machen, das ist sogenannte Echokardiographie und die Kinder auch kinderkardiologisch betreuen.

Sven Pagel: So Insi, wir haben es geschafft, wir können nach Hause gehen.

Neuigkeiten

Kinderendokrinologie: Hormone im Fokus

Störungen des Wachstums oder der Pubertätsentwicklung, Adipositas aber auch Schilddrüsenerkrankungen oder Fragen der Geschlechtsidentität umfassen das Gebiet der Kinderendokrinologie. Dr. Chris Reinert, Oberärzt*in der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg stellt das Spezialgebiet Kinderendokrinologie in der Sendung „Natürlich gesund“ vor.

Julia Nogli:

Sie hören Radio Paradiso mit Natürlich gesund. Mein Name ist Julia Nogli und unser Thema heißt heute Kinder Endokrinologie. Expertin am Telefon ist Chris Reinert.

Sie ist Oberärztin der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin am Immanuel Klinikum Bernau, Herzzentrum Brandenburg, Universitätsklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg, Theodor Fontane. Ich sage es mal so ausführlich. Hallo, guten Abend.

Dr. Chris Reinert:

Guten Abend.

Julia Nogli:

Ja, fangen wir erst mal an. Was ist denn überhaupt Endokrinologie? Das hat ja nicht jeder so auf dem Schirm.

Dr. Chris Reinert:

Endokrinologie ist die Lehre der endokrinen Drüsen, also der Hormon Drüsen oder landläufig würde man sagen die Hormonmedizin.

Julia Nogli:

Okay, und dann gibt es sogar noch ein eigenes Spezialgebiet, in dem sie ja auch tätig sind. Kinder Endokrinologie. Warum?

Dr. Chris Reinert:

Ich bin Kinder- und Jugendmedizinerin und wenn man Kinderheilkunde macht, dann kann man sich nochmal spezialisieren auf verschiedene Bereiche. Viele kennen vielleicht die Kinderkardiologie, also die Kinderherzmedizin und so gibt es eben auch die Kinder Endokrinologie, also die Hormonmedizin. Das gibt es bei den Erwachsenen genauso als Spezialisierung, weil es eben Krankheitsbilder gibt, die die Hormone betreffen, die durchaus mit auch sehr spezifischen Fragestellungen einhergehen und wo man dann eben auch ExpertInnen braucht.

Julia Nogli:

Das ist ja sogar ein sehr großer Bereich, wie man jetzt mal wieder überlesen kann und so weiter, dass die Hormone doch eine erhebliche Rolle spielen bei vielen Dingen beim Erwachsenen. Was sind denn bei den Kindern so Themen oder Erkrankungen, mit denen sie da zu tun haben?

Dr. Chris Reinert:

Viele Kinder kommen zum Beispiel aufgrund des Wachstums, also weil sie beispielsweise kleiner oder größer sind als die meisten anderen Kinder. Es geht auch oft um die Schilddrüse, also zum Beispiel es wurde auf irgendeinem aus irgendeinem Grund Blut abgenommen, dann wurde ein Schilddrüsenwert mitbestimmt, der ist irgendwie auffällig oder in der Familie gibt es Menschen mit Schilddrüsen-Erkrankungen. Adipositas, also starkes Übergewicht, ist ein Thema, was in den Bereich fällt oder beispielsweise auch die Pubertätsentwicklung.

Wenn ein Kind sehr früh in die Pubertät kommt oder die Pubertät irgendwie einfach nicht losgeht und man gucken will, woran liegt das? Genau. Es gibt noch viele andere.

Ich könnte jetzt noch mehr aufzählen.

Julia Nogli: Können ruhig noch ein paar sagen.

Dr. Chris Reinert:

Es gibt auch Überschneidungen mit der Gynäkologie, also zum Beispiel Jugendliche mit Zyklusstörungen oder jugendliche Mädchen, die eine ausgeprägte Körperbehaarung haben.

Da geht es dann oft darum zu gucken, ob da irgendwie Besonderheiten der Hormone da sind. Und es geht auch beispielsweise um das Thema Geschlechtsidentität, also Kinder, die sich nicht so fühlen, wie das Geschlecht ist, was ihnen bei der Geburt mal zugewiesen wurde. Auch die werden bei uns betreut.

Julia Nogli:

Bevor wir gleich dazu kommen, wie diese Kinder überhaupt auf sie aufmerksam werden oder die Eltern, zum Beispiel jetzt diese Wachstumsdinge, die Sie angesprochen haben. Ab wann ist denn das irgendwie so, dass man da irgendwie drauf schaut? Und was kann man denn da machen?

Wird da tatsächlich Einfluss genommen dann?

Dr. Chris Reinert:

Also gut ist immer, wenn man dann als Eltern das Gefühl hat, mein Kind ist irgendwie vielleicht kleiner als andere oder ist irgendwie immer überall das größte Kind, dass man erst mal zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt ganz normal in die Praxis geht, damit die erst mal gucken können, ist das alles noch im Rahmen von der Vielfalt, die wir einfach haben? Oder ist es doch auffällig, sodass man einmal gucken müsste, ob es dafür eine Ursache gibt? Wir sprechen dann immer von, ich sag mal in Anführungsstrichen auffällig, wenn ein Kind zu den kleinsten drei Prozent oder zu den größten drei Prozent der jeweiligen Altersgruppe gehört.

Da gibt es so spezifische Kurven, wo man das dann nachgucken kann und dann folgt eine ausführlichere Diagnostik. Man würde zum Beispiel gucken, wie groß sind denn die Eltern, weil wenn beide Eltern sehr, sehr klein sind, dann erwartet man natürlich nicht, dass das Kind riesig groß wird. Aber es wird, wenn das Kind tatsächlich auffällig klein ist, in der Regel auch eine Labordiagnostik gemacht, wo man dann nach verschiedenen Hormonen oder Erkrankungen guckt, die eben das Wachstum beeinflussen können.

Und je nachdem, was dabei rauskommt bei der Diagnostik, gibt es bei manchen Sachen Behandlungsmöglichkeiten und bei anderen wiederum auch nicht. Also beispielsweise bei einem Kind kann auch eine Schilddrüsen-Unterfunktion, also nicht genug Schilddrüsen-Hormone, kann zu einem Kleinwuchs führen oder wenn man nicht genug Wachstums-Hormon hat. Und wenn so ein Hormon fehlt, könnte man das in dem Fall dieser beiden Erkrankungen dann einfach geben, das Hormon, also im Fall der Schilddrüsen Hormone als Tablette, im Bereich, im Fall des Wachstums Hormon als Spritze.

Aber dann kann man das Hormon einfach ersetzen. Oder wenn eine Glutenunverträglichkeit die Ursache ist, kann sich das Kind Glutenfrei ernähren. Wenn es jetzt einfach ein familiärer Kleinwuchs ist, also alle in der Familie sind klein und deshalb ist das Kind eben auch recht klein, dann kann man das nicht behandeln.

Und so hängt es eben von der von der Ursache ab, ob es eine Behandlungsmöglichkeit gibt oder nicht.

Julia Nogli:

Genau. Und das ist ja auch nicht nur dann vielleicht psychologisch interessant, auch für später für das soziale Sich Erleben, sondern bei der Größe zum Beispiel ist es ja vielleicht auch körperlich ein Problem für den Rücken oder so, für die Statik.

Dr. Chris Reinert:

Rückenprobleme, das kann ein Problem sein bei Menschen, die sehr, sehr groß sind. Also wenn ich Jugendliche in der Sprechstunde habe, die sehr groß gewachsen sind, dann empfehle ich auf jeden Fall immer, dass sie Sport machen, gut die Rückenmuskulatur trainieren, damit sie eben nicht zu Rückenproblemen kommen.

Julia Nogli:

Also das wäre jetzt nicht der Grund, dass man da eingreift?

Dr. Chris Reinert:

Nein, also beim Hochwuchs gibt es eigentlich nicht so eine richtige Medizin. Also Hochwuchs ist ja ein anderes Thema. Da gibt es nicht so richtig einen medizinischen Grund, dass man eingreifen muss.

Es gibt Möglichkeiten, das Wachstum zu begrenzen. Aber tatsächlich nur, wenn die Prognose eine sehr, sehr große Endgröße ist.

Julia Nogli:

Adipositas haben Sie angesprochen, ein Riesenthema, auch leider zunehmend. Ja, da hat es nicht nur mit Ernährung zu tun und zu wenig Bewegung oder genetischen Faktoren, sondern warum auch hier die Hormone und wie kann man hier beraten oder eingreifen?

Dr. Chris Reinert:

Auch bei der Adipositas geht es ja erst mal darum zu schauen, was ist die Ursache für die Adipositas? Das Häufigste ist tatsächlich der Bereich, den Sie angesprochen haben. Ernährung, Bewegung, Lebensstil, Medienkonsum, auch psychische Belastung kann Einfluss haben.

In seltenen Fällen kann es aber auch mal ein hormonelles Problem sein oder eben genetische, also tatsächlich eine genetische Besonderheit. Und das fällt eben alles auch im Bereich der Hormonmedizin. Fettgewebe ist auch ein hormonell aktives Gewebe, also das Fettgewebe produziert auch Hormone.

Genau. Und das ist deshalb, wie ist dieses Krankheitsbild sozusagen im Bereich der Hormonmedizin angesiedelt? Auch wenn es nicht immer ein quasi die Ursache ist nicht immer ein Problem der Hormone.

Aber wir begleiten dann diese PatientInnen und kümmern uns darum. Die Folgen können auch Probleme im Bereich der Hormone sein, also beispielsweise jugendliche Mädchen, die sehr, sehr kräftig sind, können auch ein Ungleichgewicht der Sexualhormone entwickeln. Und das wäre dann wiederum auch etwas, was in den Bereich der Endokrinologie fällt.

Julia Nogli:

Dann hatten Sie vorhin gesagt, ja, bei den Mädchen im Zyklus stimmt es, dass das sowieso immer früher kommt. Also deswegen auch vielleicht gar nicht schlecht ist das, weil die ja noch nicht mit elf oder zwölf auf die Idee kommen, vielleicht zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt zu gehen, dass da Dinge sehr früh schon passieren oder irgendwas daran jetzt irgendwie nicht in Ordnung ist. Warum ist das überhaupt ein Thema?

Dr. Chris Reinert:

Also dass die Pubertät jetzt heute sozusagen früher ist als noch vor 50 oder 100 Jahren. Das stimmt jetzt mittlerweile hat es ein bisschen stagniert. Also es wird jetzt nicht immer, immer früher, dass Kinder dann in die eine endokrinologische Sprechstunde kommen.

Also hat entweder eben den Grund, dass die Pubertät tatsächlich zu früh losgeht. Also es gibt Kinder, die kommen schon mit sechs oder sieben Jahren in die Pubertät. Dann ist das natürlich ein Grund, dass man bei uns vorstellig wird.

Ansonsten können es eben ja Zyklus-Probleme sein. Beispielsweise wenn der die Regelblutung schon mal da war, aber plötzlich nicht mehr kommt. Das ist zum Beispiel bei Jugendlichen so, die stark Gewicht abnehmen, aber auch bei chronischen Erkrankungen kann das sein.

Oder eben wenn es ein Ungleichgewicht der verschiedenen Sexualhormone gibt. Und genau das ist natürlich was, wo Erwachsene dann eher zur Gynäkologin gehen würden als erstes. Das tun manche Jugendlichen auch.

Manche kommen direkt zu uns, aber auch die gynäkologischen Praxen, wenn die dann zum Beispiel Blut abgenommen haben bei einer Jugendlichen und sehen, da sind Werte nicht im Referenzbereich. Da gibt es Besonderheiten, dass die dann trotzdem oft auch zu uns geschickt werden für die hormonmedizinische Weiterbegleitung.

Julia Nogli:

Und ist es so, in der Regel können Sie jetzt vielleicht gar nicht so allgemein sagen, also wenn irgendwie eingegriffen werden muss, was so Hormone betrifft, hat das dann Nebenwirkungen oder müsste man da abwägen, was jetzt besser ist?

Dr. Chris Reinert:

Das kommt ganz darauf an, wenn man jetzt ein Hormon gibt, was man sonst auch im Körper hat. Also beispielsweise Schilddrüsenhormone hat man ja als Schilddrüsen gesunder Mensch. Und wenn man jetzt jemanden, dem diese Hormone fehlen, Schilddrüsenhormone gibt, dann hat das jetzt in dem Sinne keine Nebenwirkungen, weil es macht ja einfach die Hormonwirkung.

Natürlich kann man aber Hormone auch überdosieren. Dann hätte es in dem Sinne unerwünschte Wirkungen. Aber es gibt auch Behandlungen, wo man nicht ein Hormon ersetzt, sondern beispielsweise bei Erkrankungen, wo ein Hormon zu viel da ist, benötigt man manchmal auch Medikamente, die die Hormon-Ausschüttung oder die Hormonwirkung blockieren.

Und das sind dann, wie auch alle anderen Medikamente, in der Regel Medikamente, die auch Nebenwirkungen haben können. Genau, das ist ja bei fast jedem Medikament der Fall. Natürlich muss man manchmal auch abwägen.

Aber es gibt eben auch Erkrankungen, wo das keine Frage ist. Also beispielsweise jemand mit einer Schilddrüsen-Überfunktion, der viel zu viel Schilddrüsenhormone im Körper hat, den muss man behandeln, auch wenn die Medikamente natürlich mögliche Nebenwirkungen haben. Aber das ist nicht was, wo man dann sagen kann Ach nee, das behandelt man lieber nicht.

Julia Nogli:

Genau, das kommt dann von Erwachsenen ja auch gut. Das ist ja doch ein sehr weites Spektrum. Und jetzt die Frage Wie kommen denn Kinder oder Jugendliche zu Ihnen?

Wie erfahren die davon und wissen das? Und kommen da auch viele?

Dr. Chris Reinert:

Also es gibt generell nicht so viele endokrinologische Sprechstunden. Und die, die es gibt, die haben meistens großen Zulauf, weil es eben doch auch häufige Fragestellungen sind, also gerade dieser Bereich Wachstum, Schilddrüse, Pubertät. Das sind ja keine, keine Sachen, die jetzt sehr selten auftreten.

Der optimale Weg ist eigentlich, dass eine Familie eben erst mal zur Kinderärztin, zum Kinderarzt geht oder vielleicht, also vielleicht gar manchmal mit einem Anliegen, manchmal aber vielleicht auch einfach zur Vorsorgeuntersuchung, zur U-Untersuchung. Und da fällt dann eben zum Beispiel auf, dass das Kind vielleicht relativ langsam wächst, relativ klein ist und dass dann die Kinderärztin, der Kinderarzt sagt, da würde man mal eine endokrinologische Abklärung machen wollen und dann eine Überweisung ausstellt und dann die Familie sich eben in einer der endokrinologischen Sprechstunden, die es gibt, meldet und sich versucht, einen Termin zu vereinbaren.

Genau, weil wir in der Regel, wir wollen eine Überweisung von der kinderärztlichen Praxis haben. Und das ist auch sinnvoll, weil da natürlich eine erste Einschätzung stattfinden kann. Und manchmal ist vielleicht der Eindruck, das Kind ist ja viel kleiner als alle anderen in der Klasse.

Aber wenn man sich dann die Kurve anguckt, dann ist es zwar vielleicht etwas unter dem Durchschnitt, aber nichts, wo man jetzt eine Erkrankung hinter vermutet. Und dann muss man gar nicht unbedingt zu uns kommen. Also eigentlich führt der Weg in der Regel am besten über die kinderärztliche Praxis.

Genau. Und dann kann man sich bei einer der Sprechstunden, die es gibt, kann man sich per Telefon oder per E-Mail einen Termin vereinbaren und dann geht es da weiter.

Julia Nogli:

Und ich nehme an, das ist ja nicht nur ein einmaliger Termin, wenn da jemand zu Ihnen kommt, sondern es gibt auch wahrscheinlich eine Beratung. So bei Sprechstunden klingt es so ein bisschen mit an und geht über längere Zeit dann oder ist es manchmal mit einem Termin alles geklärt?

Dr. Chris Reinert:

Das ist ganz unterschiedlich. Viele Sachen sind auch mit einem Termin geklärt. Also das oft auch Schöne an dieser an diesem Spezialgebiet ist, dass man viele Kinder sieht, die eigentlich gesund sind.

Also wo es eigentlich darum geht, Sorgen zu nehmen, Sachen auszuschließen und dann zu sagen Das Kind ist gesund. Das ist vielleicht etwas früher dran mit der Pubertät oder etwas später oder etwas kleiner oder etwas größer als die anderen. Aber es liegt eben keine Krankheit zugrunde.

Und wenn man das sicher festgestellt hat, dann braucht man auch keine weiteren Termine. Unter manchen Sachen reicht ein Termin, also gerade bei der Schilddrüse beispielsweise reicht oft ein Termin, um zu sagen Das Kind ist schilddrüsengesund. Man braucht keine weiteren Verlaufskontrollen.

Beim Wachstum braucht man oft doch, also wenn das Kind eben doch etwas kleiner oder größer ist, braucht man doch oft mindestens einen zweiten Termin, um so ein bisschen den Verlauf beurteilen, beurteilen zu können. Und natürlich, wenn eine tatsächlich eine chronische Erkrankung vorliegt, beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion oder einen Kleinwuchs aufgrund eines Wachstumshormon Mangels, was man dann ja auch behandeln muss. Dann sind das schon Patientinnen und Patienten, die sehr regelmäßig in die Sprechstunde kommen, sag mal vielleicht jedes halbe Jahr je nach Erkrankung und dann auch über einen längeren Zeitraum.

Und viele Erkrankungen, die eben chronisch sind, müssen ja bis ins Erwachsenenalter oder teilweise auch bis ans Lebensende behandelt werden. Das heißt, die begleiten wir dann bis zum 18. Geburtstag.

Das ist dann bei uns die Grenze. Und mit dem 18. Geburtstag erfolgt dann die Weiterbetreuung in der Erwachsenenmedizin.

Da gibt es ja auch die Erwachsenen-EndokrinologInnen, die das dann in der Regel übernehmen.

Julia Nogli:

Vielen Dank an Dr. Chris Reinert. Wir haben gesprochen über Kinder-Endokrinologie, also Hormonmedizin und über die Endokrinologische Sprechstunde für Kinder und Jugendliche am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg. Alle Infos dazu finden Sie hier auf www.paradiso.de unter natürlich gesund. Dort auch wie immer die ganze Sendung zum Nachhören. Einen schönen Abend für Sie mit Radio Paradiso.