
Petra Neumann
Petra Neumann ist als Grüne Dame im Immanuel Klinikum Bernau tätig. Im Interview erzählt sie, welche Bedeutung das Ehrenamt für sie hat und was ihr im Umgang mit den Patientinnen und Patienten besonders wichtig ist.
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Für andere da sein – und selbst viel zurückbekommen
Als Grüne Dame schenkt Petra Neumann Patientinnen und Patienten vor allem eines: Zeit.
Nach 48 Jahren in der Akutmedizin ist unsere Ehrenamtliche im Ruhestand – aber noch lange nicht bereit, sich zurückzuziehen. Ein Gespräch über Begegnungen, Berührungsängste und die besondere Kraft des Zuhörens.
Sie sind seit 2024 als Grüne Dame bei uns tätig. Was hat Sie dazu bewegt?
Ich wusste schon länger, dass ich mich nach meinem Berufsleben noch engagieren möchte. Ich bin gelernte Krankenschwester und habe 48 Jahre in der Akutmedizin gearbeitet. Als ich in den Ruhestand gegangen bin, war für mich klar: Das war es noch nicht.
Was bedeutet Ihnen dieses Ehrenamt?
Vor allem Begegnungen. Man lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen. Viele haben beeindruckende Lebensgeschichten. Manche Gespräche bleiben einem noch lange im Gedächtnis.
Und manchmal braucht es gar nicht viel. Ein Gespräch, ein offenes Ohr oder einfach eine Hand, die man hält.
Was ist Ihnen im Umgang mit den Patientinnen und Patienten besonders wichtig?
Ich versuche, die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade sind. Gerade wenn jemand beispielsweise aufgrund einer Demenz Dinge erzählt, die für uns vielleicht nicht zusammenpassen, ist es für mich nicht entscheidend, ob die Geschichte tatsächlich so passiert ist.
Wenn ich mich interessiert zeige und nachfrage, fühlt sich mein Gegenüber wahrgenommen. Und genau darum geht es für mich.
Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Ja, mehrere. Eine Patientin war schwer krank und hat mir ihre Lebensgeschichte erzählt. Sie konnte sich unglaublich viele Details und Jahreszahlen merken. Ich war zutiefst beeindruckt und habe einfach nur zugehört.
Bei einem anderen Patienten hatte ich das Gefühl, dass er einfach jemanden brauchte, bei dem er sich einmal alles von der Seele reden konnte. Als ich gehen wollte, fragte er, ob ich wiederkomme. Ich hatte ihm versprochen, in der folgenden Woche noch einmal nach ihm zu schauen. Als ich ihn dann tatsächlich wiedersah, war er gerade von einem Eingriff zurück und brauchte Ruhe. Ich habe ihm nur signalisiert: „Ich bin da. Ich habe Sie nicht vergessen.“ Für mich war es wichtig, mein Versprechen einzuhalten.
Sie begleiten manchmal auch Menschen in schwierigen Situationen. Wie gehen Sie damit um?
Ich habe keine Berührungsängste. Durch meine berufliche Erfahrung weiß ich, wie es ist, wenn ein Mensch seinen letzten Weg geht. Manchmal reicht es, einfach da zu sein.
Bei einem Patienten habe ich beispielsweise ganz leise Musik angemacht und seine Hand gehalten. Man merkt, ob es dem Menschen guttut – an seiner Atmung oder daran, ob er ruhiger wird.
Was sagen Sie Menschen, die überlegen, sich ebenfalls ehrenamtlich zu engagieren?
Probieren Sie es einfach aus.
Wenn man gerne mit Menschen zusammen ist, Gespräche führt und sich auf Menschen mit unterschiedlichen gesundheitlichen oder kognitiven Einschränkungen einlassen kann, dann kann ein solches Ehrenamt sehr bereichernd sein.
Und was nehmen Sie selbst aus den Begegnungen mit?
Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause. Ich habe das Gefühl: Du machst genau das Richtige.
Das Ehrenamt gibt meiner Woche Struktur und gleichzeitig bekomme ich unglaublich viel zurück.