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19.12.2019

Die Menschenfischerin vom Wannsee

Mehr als 20 Jahre prägte sie die Hospizarbeit. Ende des Jahres geht Angelika Behm, Geschäftsführerin der Diakonie Hospize Wannsee und Woltersdorf, in den Ruhestand. Am 6. Dezember wurde sie feierlich verabschiedet.

Blumen für Angelika Behm von Nachfolger Walther Seiler (Mitte) und Konzerngeschäftsführer Peter Kober (re.).

Nach der Enpflichtung durch Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik (re.), segnet Pfarrer Kurt Kreibohm Angelika Behm.

Angelika Behm entzündet eine mit einem Segenswort beschriftete Kerze.

Angelika Behm bedankt sich bei Pflegedienstleiterin Doreen Kossack (Mitte) und ihrer Assistentin Maja Kruggel (re.).

Am 6. Dezember ist Angelika Behm, Geschäftsführerin der Diakonie Hospize Wannsee und Woltersdorf, mit einem Gottesdienst in der Kirche am Immanuel Krankenhaus Berlin in den Ruhestand verabschiedet worden.

Ganz zum Schluss übergab Angelika Behm ihrem Nachfolger Walther Seiler ein Kaleidoskop. „Die Hospizarbeit ist vielseitig und wunderbar bunt wie ein Kaleidoskop.“ Sie sei für sie „ein Geschenk“ gewesen. „Als Sozialarbeiterin hätte ich mir kein vielfältigeres Aufgabenfeld vorstellen können.“

Wie facettenreich, engagiert, kreativ, innovativ und bei Widerständen auch kämpferisch und ausdauernd Angelika Behm die Hospizarbeit in 20 Jahren hauptamtlicher Tätigkeit gestaltet und geprägt hat, klang aus allen Beiträgen in der vollen Kirche am Immanuel Krankenhaus heraus.

20 Jahre Hospizarbeit


Nach der zunächst ehrenamtlichen Mitarbeit als Sterbebegleiterin im ambulanten Hospiz wurde die ausgebildete Psychiatriediakonin und Sozialpädagogin Angelika Behm 1999 Koordinatorin im ambulanten Hospiz in Wannsee. Mit der Eröffnung des stationären Hospizes 2003 übernahm sie dort auch den Sozialdienst. 2007 trat sie zusätzlich die Leitung des Hospizes an. 2011 wurde sie Geschäftsführerin der Diakonie-Hospiz Wannsee GmbH, 2015 auch Geschäftsführerin der neu gegründeten Diakonie-Woltersdorf GmbH.

„Deine Verabschiedung fällt mit deinem 20-jährigen Dienstjubiläum zusammen“, sagte Udo Schmidt, selbst erst Ende September in den Ruhestand verabschiedeter Geschäftsführer der Immanuel Albertinen Diakonie. „Du gehst mit einem Hospiz in Wannsee, das reich an Erfahrungen ist und davon abgeben kann, und einem Hospiz in Woltersdorf, das ganz am Anfang steht“, sagte Udo Schmidt mit Blick auf das im November nach langer Vorbereitungszeit eröffnete Diakonie Hospiz Woltersdorf.

Das Lebens ins Hospiz geholt


In besonderer Weise habe Angelika Behm sich stets auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingestellt und dabei für die Hospizgäste und die Angehörigen alles möglich gemacht. Sie habe das Leben ins Hospiz geholt, damit auch die letzte Phase des Lebens lebenswert bleibe, würdigten die Rednerinnen und Redner ihre Arbeit. Konzerte, Weihnachtsmärkte, Jahresfeste, Kunsttherapie, Ausstellungen – alles brachte sie mitten ins Hospiz und bereicherte Feierlichkeiten immer wieder mit ihrem eigenen Hornspiel. Eine Hochzeit, der Auftritt des 64-köpfigen Rundfunkchors Berlin, Travestiekünstlerin Kiki Cessler als regelmäßiger Gast auf dem Sommerfest, der wöchentliche Besuch von Pony 13, Ayurveda-Behandlungen für die Hospizgäste und Shiatsu-Massagen für die Mitarbeitenden gehörten zu den Highlights.

Um die für den Betrieb des Hospizes notwendigen Spenden zu gewinnen, organisierte Angelika Behm Benefizkonzerte, Charity-Turniere, Filmwochen und sprach regelmäßig bei Radio Paradiso über die Hospizarbeit. „Angelika Behm ist die Menschenfischerin vom Wannsee“, sagte Pfarrer Kurt Kreibohm, der ihr den Segen zusprach. Es sei ihr gelungen, immer wieder Menschen zu gewinnen, sich für die Hospizarbeit zu engagieren.

Begleitung für wohnungslose Menschen


Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte Angelika Behm die Angebote immer weiter, schuf vielfältige Vernetzungen und neue Strukturen. So gründete sie etwa den Hospiz und Palliativverband Berlin mit, etablierte 2012 im Helios Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf den ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst des Diakonie Hospiz Wannsee, organisierte für das Hospiz eigene Grabstellen auf dem Friedhof und beriet Unternehmen zu Trauer am Arbeitsplatz. Die Begleitung Angehöriger, unter anderem im Trauercafé, war ihr ein Herzensanliegen. Ebenso engagiert setzte sie sich für die Begleitung wohnungsloser Menschen ein. „In der von Dir geprägten Hospizarbeit hat der Professor denselben Rang wie der wohnsitzlose Mensch, der sich in Eure Fürsorge begibt“, hob Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik hervor.

Auch angesichts von Hürden und Rückschlägen habe ihr „starker Glaube an Gott, dem alles möglich ist“, sie im Leben und bei der Arbeit getragen, sagte Udo Schmidt. Diese Gewissheit drückte auch der Bibelvers aus, den Angelika Behm sich für die Predigt zu ihrer Verabschiedung ausgesucht hatte. „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind“ (Brief an die Römer 8,28).

Seit dem „viel zu frühen Tod von Deinem lieben Mann Dieter“ begleite Angelika Behm das Thema Sterben, sagte Pfarrer Klaus-Dieter Kottnik in seiner Predigt. „Du hast aus dem Abschied von Dieter, der so schmerzlich gewesen ist, die Folgerung gezogen, dass Du Menschen immer und immer wieder in ihren letzten Tagen und Stunden begleiten willst.“ Angelika Behm habe sich zur Hospizarbeit rufen lassen. Dabei habe sie Menschen nicht zuletzt darin begleitet, auch aus dem Bösen in ihrem Leben in den letzten Stunden Gutes entstehen zu lassen, so Pfarrer Kottnik.

Mutig gekämpft wie eine Löwin


Doreen Kossack, Pflegedienstleiterin im Diakonie Hospiz Wannsee und seit 18 Jahren mit Angelika Behm im Hospiz unterwegs, sagte, Angelika Behm habe Hürden „gemeistert, hast Dich ihnen gestellt und bist mit und an ihnen gewachsen. Deine Zuversicht, Dein Mut, Dein Kampfgeist, Deine Ermutigung in kritischen Situationen und Dein Vertrauen in Gott waren stets präsent und für uns alle spürbar“. Sie habe nie aufgegeben und immer wieder neue Herausforderungen gesucht, um das Hospiz weiterzuentwickeln, die Qualität nachhaltig zu sichern und es in der Berliner Hospizlandschaft fest zu verankern. Wenn nötig, habe sie dabei „mutig wie eine Löwin gekämpft“.

„Mein Herz ist voller Dankbarkeit“, sagte Angelika Behm zum Abschied. Sie sei dankbar für ihr Team, auf das sie sich 100-prozentig habe verlassen können, dafür, in ihrer Arbeit so dicht an den Menschen gewesen sein zu dürfen und dafür, die Hospizarbeit in die Öffentlichkeit gebracht haben zu können. Die Vorbereitungskurse für die Begleitung Sterbender und Fortbildungen hätten ihr besondere Freude gemacht, weil sie dort ihr Wissen weitergeben konnte. Eine große Herzenssache sei ihr die Begleitung Angehöriger gewesen. „Der Abschied beim letzten Trauercafé im September ist mir sehr schwer gefallen“, so Behm. Vor allem aber von den Schwerkranken und Sterbenden habe sie viel gelernt. „Ich habe erlebt, dass sie trotz allem Schmerz und aller Dunkelheit nicht verzweifeln.“

Um Menschen am Ende des Lebens und ihren Angehörigen einen Ort der Besinnung und der Begegnung mit sich selbst zu schenken, bestimmte Angelika Behm die Kollekte für den Bau eines Labyrinths im Garten des Diakonie Hospiz Wannsee. 4.000 Euro wurden gespendet.

Angelika Behm ist noch bis Ende Dezember Geschäftsführerin der Hospize in Wannsee und Woltersdorf. Ihre letzte Amtshandlung: am 24. Dezember mit den Gästen und anwesenden Mitarbeitenden im Diakonie Hospiz Woltersdorf und im Diakonie Hospiz Wannsee Heiligabend feiern.

 
 
 
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