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18.03.2013

"Ein kleines Haus hat durchaus seine Vorzüge"

Interview mit Chefarzt Dr. Uwe Hartung und Oberärztin Dr. Karola Edelmann der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe

Dr. Hartung, seit einem reichlichen Jahr sind Sie nun Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe im Immanuel Klinikum. Sie sind vom Vivantes Klinikum nach Bernau gewechselt und haben das offensichtlich nicht bereut …

Dr. Hartung: Nein, das Arbeitsklima in Bernau ist sehr angenehm. Alle Abteilungen und damit vor allem die Patienten profitieren von der guten Zusammenarbeit der einzelnen Teams. Das ist wohl ein großer Vorteil eines kleineren Hauses. Mit sechs Ärzten ist meine Abteilung personell gut aufgestellt. Wir bieten das gesamte Spektrum der Gynäkologie an. Im vergangenen Jahr hat das Klinikum auch wieder einiges in neue OP-Technik investiert, so in Geräte für Gebärmutterspiegelungen und für laparoskopische Operationen bei Gebärmuttersenkungen. Demnächst sollen neue CTG-Geräte für den Kreißsaal angeschafft werden. Das sind Herzton-Wehenschreiber, die sowohl die Herztätigkeit des Babys aufzeichnen als auch die Wehen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Frauenärzten?


Dr. Hartung: Zum Glück gut, wir sind ja aufeinander angewiesen. Wichtig ist, dass die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen unsere Angebote und Spezialisierungen kennen. Ein- bis zweimal jährlich laden wir deshalb auch zu Fortbildungen ein. So haben wir kürzlich über Operationsmethoden im Bereich der Beckenbodenchirurgie informiert.

Seit August vergangenen Jahres bietet das Immanuel Klinikum auch eine urogynäkologische Sprechstunde an. Frauen mit Inkontinenzproblemen können sich an Sie, Frau Dr. Edelmann, wenden …

Dr. Edelmann: Mit einer Überweisung von ihrem Frauenarzt, Urologen, Allgemeinarzt oder auch nach eigener Entscheidung können sich Betroffene unter Telefon (03338) 694442 einen Termin bei mir geben lassen. Inkontinenzprobleme und Beckenbodensenkungsbeschwerden bei Frauen sind immer noch ein gesellschaftlich stark tabuisiertes Thema. Das führt dazu, dass sich viele, denen mittels breiter Therapieoptionen gut geholfen werden könnte, aus Scham keine Hilfe holen.

Vielleicht spielt auch die Angst vor einer Operation eine gewisse Rolle?

Dr. Edelmann: Bevor man zur Operation schreitet, gibt es eine Vielfalt von anderen Therapiemöglichkeiten wie Beckenbodengymnastik, Elektrostimulationstherapie, Pessartherapie, Blasentraining und medikamentöse Therapie. Wenn damit die gewünschten Erfolge nicht erzielt werden können, gibt es verschiedene operative Verfahren. Bei Beckenbodensenkung muss heute die Gebärmutter nicht mehr entfernt werden. Mit der „Schlüssellochchirurgie“ und Verwendung von verschiedenen Netzformen kann man Blasen-, Gebärmutter und Scheidenvorfälle sehr gut beheben. Bei der sogenannten Belastungsinkontinenz – Verlust von Urin zum Beispiel beim Husten, Niesen bzw. beim Sport – kann ein Bändchen unter die Harnröhre platziert werden. Dies ist eine kleine Operation mit großem Erfolg.

Zu diesem Thema planen Sie auch eine Informationsveranstaltung. Wann findet die statt?

Dr. Edelmann: Wer sich über „Therapiemöglichkeiten bei Inkontinenz und Beckenbodenschwäche der Frau“ informieren möchte, ist zu Mittwoch, den 10. April, 18 Uhr ins Immanuel Klinikum, Ladeburger Straße 17 (Konferenzraum 1, 4. Stock) herzlich eingeladen.

Sie bieten auch Informationsabende für werdende Eltern an …


Dr. Hartung: Ja, jeden zweiten Dienstag im Monat ab 19 Uhr können sich werdende Eltern den Kreißsaal und die geburtshilfliche Station ansehen. Gern beantworten dann Hebammen, Ärzte und Schwestern ihre Fragen. Eine Anmeldung dafür ist nicht erforderlich. Außerdem bieten wir Geburtsplanungsgespräche an, in denen sich Schwangere mit Fragen zur Geburt an uns wenden können. Hierzu ist allerdings eine Anmeldung unter Telefon (03338) 694711 erforderlich.

Viel Lob gibt es von Frauen, die in Bernau entbunden haben, für die individuelle Betreuung bei Ihnen. Warum ist die Zahl die Geburten im Immanuel Klinikum trotzdem vergleichsweise niedrig?

Dr. Hartung: Gleich in unserer Nachbarschaft haben wir das Helios-Klinikum in Berlin-Buch. Diese Konkurrenz macht uns schon zu schaffen. Offenbar fühlen sich viele Schwangere in einem größeren Haus besser aufgehoben. Aber auch ein kleineres Haus hat durchaus seine Vorzüge. So ist die Geburtshilfe bei uns in der Tat sehr individuell. Während der gesamten Entbindung hat die werdende Mutti eine Hebamme an ihrer Seite, die sich ausschließlich um sie kümmert. Gern übernehmen die Hebammen auch die Nachsorge. Allerdings werden bei uns keine Entbindungen vor der 33. Schwangerschaftswoche vorgenommen, da die Frühchen bei uns nicht versorgt werden können.

 
 
 

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